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"Es hat noch nie einen so schönen März gegeben."
Auch große geschichtliche Ereignisse bestehen aus ungezählten kleinen Mosaiksteinen. Jede Lebensgeschichte ist so ein Stein, viele ergeben zusammengefügt ein historisches Gesamtbild. Nur aus den Einzelschicksalen wird das Ausmaß der Tragödie des Anschlussjahres 1938 begreifbar. Gerhard Jelinek holt in den vorliegenden Gesprächen mit österreichischen Emigranten in New York das Wien der späten Dreißiger Jahre zurück. Es sind Stimmen aus dem „4. Reich“. So nannten jüdische Emigranten – in ironischer Anti-These zu Hitlers „3. Reich“ – jene Gegend im Norden Manhattans, wo sich Tausende Flüchtlinge aus Nazi-Deutschland und Österreich ansiedelten.
Mit Prälat Johannes Österreicher erzählt ein enger Mitarbeiter von Kardinal Innitzer über die politischen Fehleinschätzungen des Erzbischofs. „Es war kein Mangel an Charakter, eher ein Manko der Intelligenz.“ Fritz Spielmann, Schöpfer des Gassenhauers „Schinkenfleckerln“, in dem ollweil des Fleisch Versteckerln spielt“, schildert die harte Zeit in der Emigration, die auch Verlust der Sprache bedeutet hat. Der „Vaterländische“ Hans Walter Hannau zeichnet ein ungewöhnliches Bild der Rolle von Seyß-Inquart in den Märztagen 1938.
Zwei Dutzend Lebensberichte leidenschaftlicher Österreicher, die wie in einem „fernen Spiegel“ aus Manhattan die Zeit der Emigration und die (Selbst-)Zweifel an Heimkehr und Heimat nach dem Ende des Kriegs aufleben lassen. Betroffen. Berührend. Beschämend.
Dr. Gerhard Jelinek begann nach dem rechtswissenschaftlichen Studium an der Universität Wien in der Innenpolitik-Redaktion der Tageszeitung „Die Presse“. Anschließend wechselte er zum Magazin „Wochenpresse“, wo er das Ressort „Gesellschaft“ leitete. Im Rahmen seiner Arbeit bei der „Wochenpresse“ entstand die vorliegende Serie von Gesprächen in New York. Seit 1989 ist der Autor beim ORF tätig, zuletzt leitete und moderierte er den ORF-„Report“ und war für die TV-Diskussionssendungen „Pressestunde“ und „Offen gesagt“ verantwortlich. Sein zeitgeschichtliches Interesse bewies er unter anderem mit der Gestaltung von unzähligen TV-Dokumentationen, darunter die Serie „Unser Jahrhundert“, Porträts über Helmut Zilk, Alois Mock und Thomas Klestil. Seine journalistische Arbeit wurde mit dem Leopold-Kunschak-Preis gewürdigt.
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